Bedingung: Vielseitigkeit
Was ein Veranstaltungstechniker alles draufhaben muss, um seinen Job zu machen
„Regelmäßige Arbeitszeiten kann man sich in unserem Beruf abschminken“, sagt Steven Henke von der Magdeburger MCS GmbH Sachsen-Anhalt, „aber dennoch möchte ich nie etwas anderes machen“. Henke ist gelernter Veranstaltungstechniker, knapp 28 Jahre alt, und arbeitet in seinem Traumberuf. Auch deswegen hat er sich, kaum dass er das Facharbeiterzeugnis 2003 in der Tasche hatte, wieder auf die Schulbank gesetzt und neben der Arbeit seinen Meister gemacht.
Veranstaltungstechniker? Das klingt wie Stecker rein, Kabel dorthin und ein paar Lampen aufstellen. Weit gefehlt. Veranstaltungstechniker sind Alleskönner und Multitalente. Sie wissen über Licht- und Tontechnik Bescheid, kennen sich im Rigging und Bühnenbau aus, haben Ahnung von der neusten Videotechnik und deren Einsatzmöglichkeiten. Und sie kennen Gesetzeswerke wie Versammlungsstättenverordnung und Brandschutzvorschrift.
Fragen über Fragen
„All das ist nötig, um heute Veranstaltungen zu einem umfassenden und sicheren Ereignis zu machen“, sagt Henke. Und genau das reizt ihn an seinem Beruf; die Vielseitigkeit, die Flexibilität, der permanente Wechsel des Einsatzorts, die unterschiedlichen Bedingungen, aus denen immer das Optimale herausgeholt sein will. Zum Beispiel, dass Redner an jedem Punkt des Saals verstanden werden, dass in keiner Ecke des Konferenzraums das Licht absäuft, das alle Fluchtwege den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und immer frei sind.
Der Ablauf eines Auftrags ist immer ähnlich, ob klein oder groß. Es gibt eine Kundenanfrage, am Ort X Festivität Y mit einer bestimmten Anzahl von Gästen und Mitwirkenden zu veranstalten. „Zunächst mache ich mit dem Kunden einen Ortstermin, höre mir seine Vorstellungen an und dann ist meine Erfahrung gefragt“, erzählt Henke. Wie groß ist der Raum, welches Licht muss eingesetzt werden, welche Tontechnik. Lohnt es, einen Beamer zu nutzen, um auch den hinteren Reihen gute Sicht zu bieten?
Überall unterwegs
Was ist mit den gesetzlich vorgeschriebenen Fluchtwegen, wie setzt man den Bestuhlungsplan um? Hat die Decke ausreichend Tragfähigkeit, um Traversen für Licht und Lautsprecher zu nutzen? Ist der statische Nachweis für die Haltbarkeit einer Bühne erbracht, ist das Baubuch für die open-Air-Bühne exakt geführt? Stimmt das Gewicht, halten die Verankerungen? Tausend Dinge sind zu bedenken, viel Verantwortung lastet auf den Schultern von Henke und seinen Kollegen.
„Als Veranstaltungstechniker musst man die fachlichen Probleme lösen, oft in Abstimmung mit dem Bauordnungsamt“, berichtet Henke. Gleichzeitig seien alle gesetzlichen Sicherheitsbestimmungen umzusetzen, denn nicht nur der Veranstalter, auch der Technikausrüster haftet, wenn etwas schief geht. Und wenn das nur eine kleine Lampe ist, die samt lockerem Haken zum falschen Zeitpunkt den Halt verliert.
In jüngster Zeit etwa waren Henke und seine Kollegen von der MCS Sachsen-Anhalt beim evangelischen Kirchentag in Dresden im Einsatz, bei der Sommertour von MDR 1 RADIO SACHSEN-ANHALT und SACHSEN-ANHALT HEUTE, beim Papst-Besuch in Erfurt, in Dessau bei ZDF@Bauhaus.
Dank von Böhmer
Die Anforderungen an die Magdeburger sind unterschiedlich: Mal wird Licht- und Tontechnik gewünscht, mal die Bühne dazu, mal die Komplettausstattung einer Konferenz. So zum Beispiel im Oktober 2010 die Ministerpräsidentenkonferenz 2010 in Magdeburg, als sich die Chefs der 16 Bundesländer in Magdeburg ein Stelldichein gaben. Und sich im Nachhinein Ministerpräsident Böhmer mit einem persönlichen Schreiben bedankte.
„Die Anforderungen sind die Herausforderungen, die Örtlichkeiten sowieso“, erzählt Henke. Die Kunst sei es, aus den Gegebenheiten, den Wünschen des Kunden und dem eigenen Können das Maximale herauszuholen. Damit am Ende der Kunde mit dem Event und den Kosten zufrieden ist. Und die Firma auch einen Gewinn hat. „Deshalb muss man auch kostenbewusst planen, nicht zu viele Leute einsetzen, auch mal eine Sache mieten oder den kleinen Lkw nehmen“, erklärt Henke.
Früh übt sich…
Gelernt hat der 28-Jährige sein Handwerk 2000 bis 2003 beim Magdeburger Theater, nachdem er zuvor schon als Schüler jede Gelegenheit für die Jobs hinter der Bühne nutzte. Am Theater hat er auch gearbeitet, vorrangig in Sachen Tontechnik. Aber Henke wollte mehr, auch Licht und Bühnenbau etc. Er ging die Meisterausbildung an – und zur MCS Sachsen-Anhalt. Hier kann er nun seine Vielseitigkeit austoben. Und das Gelernte an die ganz Jungen weitergeben.
„Der Lehrberuf der Fachkraft für Veranstaltungstechnik ist erst 1998 geschaffen worden“ erklärt Henke, der somit einer der ersten war, die diesen Beruf erlernten. Sinn der dreijährigen Ausbildung: Umfassend ausgebildete junge Fachleute zu bekommen, die all das beherrschen, was Veranstaltungen wie Konzerte, großen Betriebsfeiern, Messen, TV-Shows etc. problemlos über die Bühne bringt. Und die dafür Verantwortung übernehmen können.
